ZVEI-Pressekonferenz „Wir müssen KI als Chance sehen und nicht das Risiko überbetonen“

Redakteur: Sebastian Human

Knapp eine Woche nach der Bundestagswahl lud der ZVEI heute zur Pressekonferenz, um dessen Positionen und politische Forderungen an die zukünftige Bundesregierung zu artikulieren. In deren Kern stehen drei zentrale Bereiche.

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Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, betont die Notwendigkeit eines schnellen und konsequenten Digitalisierungsvorstoßes der deutschen Industrie.
Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, betont die Notwendigkeit eines schnellen und konsequenten Digitalisierungsvorstoßes der deutschen Industrie.
(Bild: Screenshot/Vogel Communications Group)

Etwas mehr als eine Woche ist seit der Bundestagswahl vergangen und die Sondierungsgespräche für mögliche Koalitionen laufen. Bereits einen Tag nach dem Urnengang äußerte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, Verständnis für die komplexe Aufgabe einer Regierungsbildung, appellierte zeitgleich aber auch an die Parteispitzen, nun zügig eine handlungsstarke Koalition zu bilden und so ein Zeichen zu setzen. Diesen Aufruf bekräftigte er heute.

Deutschland benötige ein Signal der Aufbruchstimmung. Das gilt besonders für die Bereiche Klimaschutz, Elektrifizierung und Digitalisierung. Um auf diesen Gebieten Innovationen zu fördern, sei eine starke Industrie von zentraler Bedeutung. Die Schlussfolgerung für die Politik müsse laut ZVEI vor allem ein Zusammenspiel aus drei Maßnahmen sein. Bei diesen solle es darum gehen, den Marktkräften mehr Vertrauen zu schenken, die Unternehmen von bürokratischen und finanziellen Belastungen zu befreien sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

Forderungen an Berlin

Unter anderem fordern die Verbandsmitglieder, Künstliche Intelligenz und Datenanalyse sowie -nutzung als Chance zu sehen. Potenzielle Gefahren gelte es ernst zu nehmen, gleichzeitig sollten sie aber nicht überbetont werden. Andernfalls könne ein möglicher prohibitiver Charakter von Regulierungsmaßnahmen dem Fortschritt im Weg stehen. In diesem Zuge solle mehr Förderung in die entsprechenden Hochschulen für angewandte Forschung sowie den Ausbau der Mikroelektronikbranche in Deutschland und der EU fließen. Die aktuelle Halbleiterknappheit mache den Bedarf nach mehr Unabhängigkeit vom globalen Chip-Markt deutlich.

Auch ein stärkerer Ausbau und die Nutzung erneuerbarer Energien ist Bestandteil der ZVEI-Forderungen. Dies solle konkret über eine Reform der Abgaben, Umlagen und Steuern auf Strom erreicht werden. Entsprechende Verbote sieht der Verband hingegen kritisch. Zusätzlich müsse ein digitalisiertes Stromnetz geschaffen werden, das Erzeugung und Verbrauch intelligent ausbalancieren und steuern soll.

Synergieeffekt zwischen Elektrifizierung und Digitalisierung

Die Vertreterinnen und Vertreter des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie betonen außerdem die enge Verbindung zwischen Elektrifizierung und Digitalisierung, da deren Zusammenspiel den Weg ebne in eine „All-Electric-Society“.
Diese sei von zentraler Bedeutung für die Bewältigung des Klimawandels. ZVEI-Präsident Gunther Kegel hält eine konsequente Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung vor allem der Bereiche Energie, Industrie, Gebäude und Mobilität für starke Hebel, die avisierten Klimaziele zu erreichen.

„Nur mit Tempo und Mut lassen sich die vor uns liegenden Herausforderungen annehmen. Sie sind zu groß, um zu zögern oder zu taktieren.“, twitterte Wolfgang Weber bereits am Wahlabend.

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