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Industrie 4.0 Den CNC-Maschinenpark unter Kontrolle haben

| Autor / Redakteur: Martin Müller-Turner / Simone Käfer

Das Ziel: Mit einem einfachen Plug-&-Work-System alle Informationen abrufbar machen und komplexe Fertigungsabläufe optimal gestalten. Jetzt gibt es erste Erfahrungen aus dem Produktionsalltag.

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An Smartblick können CNC-Maschinen aller Hersteller, Baujahre und Steuerungen angeschlossen werden.
An Smartblick können CNC-Maschinen aller Hersteller, Baujahre und Steuerungen angeschlossen werden.
(Bild: Perschmann)
  • Smartblick gibt Unternehmen einen Überblick über die Leistung jeder Maschine in ihrer Werkhalle. AK Regeltechnik hat es in zwanzig Minuten installiert.
  • Seitdem kann die Effizienz von einzelnen Schichten erstmals exakt erhoben, verglichen und verbessert werden. Die Mitarbeiter seien motivierter und eine Digitalisierung der Produktion würde angestoßen.
  • Das neue Tool könne auch Expansionschancen aufzeigen und AK Regeltechnik konnte an Dritte ausgelagerte Aufträge wieder ins Unternehmen holen.

Zwanzig Minuten hat es gedauert, dann war das neue System in der Werkhalle installiert. Nun kennt AK Regeltechnik die Schwachstellen in seiner Produktion – von jeder Maschine, egal wie alt und welcher Hersteller – und verbessert seine Produktion nachhaltig. „Um wirtschaftlicher, schneller und zuverlässiger produzieren zu können, wollten wir alle Schwachstellen in unseren Produktionsprozessen erkennen und waren auf der Suche nach einer digitalen Lösung, die universell einsetzbar ist, also in unserer Werkhalle völlig unabhängig von Baujahr, Maschinentyp, Maschinenhersteller und Steuerung genutzt werden kann,” berichten die Geschäftsführer Axel Knopff und Johann Kalinowski. Als langjährige Kunden von Hch. Perschmann wurden die CEOs auf die Digitalisierungslösung von F&M Werkzeug- und Maschinenbau aufmerksam, die seit Anfang 2018 zur Perschmann-Gruppe gehört.

2015 hatte F&M, damals ein herkömmlicher Lohnfertiger, die Idee zu dieser Lösung, die den Arbeitsalltag deutlich erleichtern und Prozesse in metallverarbeitenden Industrieunternehmen signifikant verbessern sollte. Ziel des Entwickler-Teams war es, mit einem einfachen Plug-&-Work-System alle Informationen mit nur einem Klick abrufbar zu machen und komplexe Fertigungsabläufe für Maschinen sämtlicher Baujahre, Hersteller und Steuerungen optimal zu gestalten, völlig unabhängig vom Standort der Maschinen sowie vom aktuellen Bedienort des Nutzers. Das Ergebnis ist Smartblick. Seine Sensoren sind in weniger als zwanzig Minuten – im laufenden Betrieb ohne Stillstandzeiten – an jede Industriemaschine angeschlossen. Dabei greift die Lösung weder in die Steuerung, noch in die Elektronik ein, man kann also auch Leasing-Maschinen anschließen. Danach kann das Dashboard von jedem Gerät mit Internetzugang aufgerufen und somit der eigene CNC-Maschinenpark jederzeit und überall von allen Mitarbeitenden mittels PC, Smartphone oder Tablet genau beobachtet, analysiert und gegebenenfalls angepasst werden.

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Bevor AK Regeltechnik Smartblick in seiner Produktion einsetzte, hatte man laut der Geschäftsführer keinen Überblick über die Stillstandzeiten der Maschinen. „Da wir anhand der Daten zentrale Entscheidungen für Investitionen fällen, kann uns das System dabei unterstützen, effizienter zu handeln, beispielsweise hinsichtlich unseres Maschinen- oder Personalbedarfs”, sagt Knopff. Aufgrund der schnellen Installationszeit sei es zu keinerlei Produktionsausfällen gekommen. Mit seinem monatlich buchbaren All-inclusive-Service, der neben der Bereitstellung und Wartung sowie regelmäßigen Updates der Hardware auch die komplette Infrastruktur, die Live-Ansicht der Maschinen-Performance, den Maschinenpark-Report und zusätzliche interaktive Web-Seminare und Tutorials umfasst, sei Smartblick für ihr Unternehmen außerdem keine Investition, sondern eine planbare, flexible und transparente Größe in den laufenden Betriebsaufwendungen.

Einfaches anschließen an unterschiedlichen Maschinen

Der Hersteller ölhydraulischer Steuerungssysteme für Bau- und Landmaschinen verarbeitet für seine Drehteile und Gehäuse Werkstoffe wie Edelstahl, Messing und Aluminium mit CAD- und CAM-Systemen. In der Produktion wird im 2-Schicht-Betrieb gearbeitet, mit 24 Palettenplätzen kann zudem die ganze Nacht hindurch mannlos produziert werden. Das Herzstück des Maschinenparks sind zwei Bearbeitungszentren A51 von Makino mit angeschlossenem MMC2-Palettensystem. „Ende Mai haben wir die ersten Smartblick-Smartboxen an unsere Maschinen angeschlossen, was trotz der verschiedenen Hersteller, Maschinen- und Steuerungstypen – wir arbeiten mit Fanuc Oi-TF-, Fanuc 32i-, Fanuc180is-, Pro 5-, Pro 6- und Haas-Steuerungen – verblüffend rasch und reibungslos funktioniert hat. Im Bereich Fräsen/Bohren fiel unsere Wahl auf unsere beiden an das Palettensystem angebundenen Makinos Baureihe A51, auf eine Makino Baureihe A61 und auf eine Haas VF-3; im Bereich Drehen auf drei Takisawa – eine FX600, eine NEX108M und eine TMM250-M1”, berichtet Kalinowski. Die Anzahl der Smartboxen in seinem Maschinenpark möchte das Unternehmen zeitnah weiter aufstocken.

Effizienz verbessern, Mitarbeiter motivieren

Seitdem das neue System zum Einsatz kommt, kann die Effizienz von einzelnen Schichten erstmals exakt erhoben, verglichen und verbessert werden. „Wie stark jede einzelne Maschine unseres Maschinenparks ausgelastet ist, ist für uns jetzt mit einem Klick auf einen Blick ersichtlich. Wenn auf dem Monitor konkrete 50 Prozent statt der bisher von uns nur geschätzten 80 Prozent angezeigt werden, wissen wir, an welcher Stellschraube wir noch drehen müssen. Und wenn wir sehen, dass eine Maschine in acht Stunden fünfmal ausgestiegen ist, können wir sofort eingreifen, um die Schwachstelle zu beheben.” Die neu gewonnene Transparenz sorge nicht nur für eine gesteigerte Produktivität, so Co-Geschäftsführer Kalinowski weiter, sondern auch für eine größere Motivation: „Wenn ein Mitarbeiter nach acht Stunden Feierabend macht und auf dem Dashboard sieht, dass die Maschinenauslastung in seiner Schicht bei 85 Prozent lag, ist das die unmittelbare Bestätigung für ihn, dass er vorzüglich gearbeitet hat.”

Das System unterstützt auch die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und öffnet den Innovationsprozess für alle Nutzer, da diese durch ihr Feedback einen beträchtlichen Beitrag zur Produktentwicklung leisten und das System so maßgeblich mitgestalten können. So hat auch AK Regeltechnik durch ihr Feedback bereits zusätzliche zielgerichtete Produktentwicklungen für ihre Wunsch-Features ermöglicht. Erste Funktionswünsche bezüglich der Schichtplanung und der separaten Bewertung mannloser Schichten sind bereits in der neuesten Software-Version enthalten.

Einfacher in die Digitalisierung

Nach Meinung von Knopff und Kalinowski sei das System in ihrer Werkhalle auch ein Türöffner für die Einführung digitaler Technologien gewesen. Das gesamte Team – von der Geschäftsführung über die Produktionsleitung bis hin zum Maschinenbediener – würde den digitalen Wandel damit nicht nur als klar messbare Vereinfachung des Arbeitsalltags erleben, sondern sich selbst als aktive Mitgestalter ihrer digitalen Zukunft. Da das System für eine Flexibilisierung der Arbeit und eine Vereinfachung der Produktionsabläufe sorge, habe es nach Ansicht von Knopff und Kalinowski sogar das Potenzial, den bestehenden Markt nachhaltig zu verändern und die Arbeitsprozesse in der Industrie dauerhaft zu verbessern.

Intelligenter und wirtschaftlicher Produzieren

Das neue Tool könne laut Knopff und Kalinowski auch Expansionschancen aufzeigen: Beispielsweise könne man sich auf ein Nischenprodukt konzentrieren, wenn man feststellte, dass die hohen Stückzahlen anderer Produktlinien nicht ausreichend profitabel seien. Besonders, weil die Lösung mit Maschinen aller Hersteller kompatibel ist, sei sie auch für alle Industriekunden attraktiv, die noch auf älteren Maschinen produzierten. Das Messsystem erfasst sogar den Energieverbrauch jedes Produktionsprozesses und helfe den Unternehmen dabei, Stromkosten und Ressourcen zu visualisieren. In der Vergangenheit habe ihr Unternehmen teilweise Aufträge an externe Dienstleister weiter gereicht, da die hauseigenen Kapazitäten nicht auszureichen schienen. Seitdem Smartblick zum Einsatz kommt, könnten freie Slots genau erkannt und optimal ausgenutzt werden – und damit relevante Aufträge zurück in die eigene Produktion geholt werden.

* Martin Müller-Turner ist Marketing- & Vertriebsleiter bei F&M Werkzeug- und Maschinenbau GmbH in 13407 Berlin, Tel. +49 (30) 4 17 48 82-33

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