Google+ Facebook Twitter XING LinkedIn GoogleCurrents YouTube

Dienstleister

Die Profis der Additiven Fertigung

| Autor: Simone Käfer

Auftragsfertiger bieten mehr als nur einen 3D-Drucker. Neben Verfahrens- und Materialvielfalt wird bei den professionellen additiven Fertigern auch bezüglich des Designs beraten. (Im Bild ist die Metallabteilung von Fit zu sehen.)
Auftragsfertiger bieten mehr als nur einen 3D-Drucker. Neben Verfahrens- und Materialvielfalt wird bei den professionellen additiven Fertigern auch bezüglich des Designs beraten. (Im Bild ist die Metallabteilung von Fit zu sehen.) (Bild: Fit AG)

Für jeden, der den geistigen und finanziellen Invest in den 3D-Druck scheut, bieten sich erfahrene Auftragsfertiger an. Diese setzten auf unterschiedlichen Erfahrungen und Schwerpunkten auf.

Sie beschäftigen sich vorwiegend mit 3D-Druck, und das schon seit Jahren. Sie kennen ihre Systeme, die Materialien, die Prozesse und wissen um die Möglichkeiten des Designs für Additive Fertigung. Kurz: Auftragsfertiger sind Fachkräfte. In den Worten von Stephan Kegelmann, Geschäftsführer von Kegelmann Technik: „Das wirtschaftliche Potenzial der Additiven Fertigung erschließt sich nicht durch eine Maschine, sondern durch Funktionsintegration, Leichtbau, Individualisierung und die kostenlos mögliche Bauteilkomplexität. Dazu gehört eine Menge Know-how und Erfahrung.“ Die Auswahl an Auftragsfertigern, die sich auf 3D-Druck spezialisieren, wächst. Grob kann man sie unterteilen in diejenigen Dienstleister, von denen einige mit subtraktiven Verfahren starteten, andere gleich mit 3D-Druck, in die Hersteller von Maschinen oder Software, die durch den Druck-Service auch direkten Input für ihre Entwicklungsabteilung erhalten, sowie in die Ausgründungen von größeren Unternehmen, innerhalb derer sie bereits als Dienstleister fungierten.

Spezialgebiet Metallverarbeitung

Zu Letzteren gehört seit 2016 Solidteq. Als Tochter von Rheinmetall Automotive hat sich das junge Unternehmen auf den 3D-Druck mit metallischen Werkstoffen spezialisiert. Da das Mutterunternehmen der ISO 27001 folgt, die das Thema Datenschutz und Geheimhaltung regelt, unterliegt die 100-prozentige Tochter auch dieser Norm. Sie arbeitet seit sechs Jahren mit dem SLM-Verfahren und kann sowohl interne als auch externe Aufträge auf sechs Maschinen bearbeiten. Dazu nutzt Solidteq die Werkstoffe Aluminium, Edelstahl 316L, Maraging Steel 1.2709 und Inconel. „Aber auch andere Materialien sind möglich“, fügt Stefan Pörtner, Leiter Fertigung und Technologie, an. Die Stärke liegt in der Nachbearbeitung. „Wir haben Zugriff auf das komplette Technologiespektrum unserer Konzernmutter und ihre mehr als hundertjährige Erfahrung in der mechanischen Metallbearbeitung“, so Pörtner. Je nach Anforderung an das Bauteil erfolgt eine Wärmebehandlung, Oberflächenbehandlung oder eine mechanische Bearbeitung. Zudem können Kunden ihren Auftrag auch veredeln lassen, zum Spektrum gehören Lackieren, Galvanisieren oder unterschiedliche Beschichtungen. Für die Analyse des Bauteils und die Qualitätssicherung verwendet Solidteq Computertomografie.

Das wohl größte Sanddruck-System

Umfangreiches Wissen über die fertigenden Maschinen in seinem Unternehmen hat Voxeljet. Denn hier werden die eigenen 3D-Drucker eingesetzt. Ihr Verfahren ist das Binder-Jetting im Pulverbett, ihre Materialien: Kunststoffe, Keramik und Quarzsand. Hier liegt auch die Besonderheit des Auftragsfertigers: „Wir bieten Bauraumgrößen von 300 mm × 200 mm × 100 mm bis hin zu 4000 mm × 2000 mm × 1000 mm und somit das weltweit größte kommerziell verfügbare 3D-Sanddruck-System“, sagt Dr. Ingo Ederer, CEO von Voxeljet. Daher liegt ein Schwerpunkt von Voxeljet auch auf der Herstellung von Gussformen und -kernen, die auf Wunsch des Kunden bei der kooperierenden Gießerei weiterverarbeitet werden. Mit Kunststoff wird hier vorwiegend für Modelle für den Feinguss oder für Design- und Funktionsprototypen gedruckt. Beratend wirkt Voxeljet bezüglich Druckfähigkeit der Daten, des optimalen Materials und der nachgelagerten Weiterverarbeitung beziehungsweise -verwendung. „Bei der Datenerstellung können wir ebenfalls helfen”, so Ederer. „Zudem prüfen wir jeden Datensatz final und reparieren ihn sofern es vonnöten ist, um optimale Druckergebnisse zu erzielen.” Das Unternehmen eröffnete seine Dienstleistungssparte im Jahr 2003 und verarbeitet im deutschen Dienstleistungszentrum bis zu 400 t Material pro Monat.

Eine individualisierte Farbgebung

Die intensivste Erfahrung weißen wahrscheinlich die Auftragsfertiger auf, die sich ganz diesem Geschäftsbereich verschrieben haben. Zumindest bieten sie das größte Spektrum an Verfahren. Da wäre zum einen Protolabs mit SL, SLS, DMLS, Multi Jet Fusion und Polyjet. An den Verfahren wird schon das Materialspektrum erkennbar: Kunststoff, Metall und Silikon. Thermoplaste, Metalle und Elastomere hält der Dienstleister auf Lager. Das Unternehmen kommt aus dem Spritzguss und bietet seit 2014 Dienstleistungen im 3D-Druck an. Als Besonderheit können dem Material Farben beigemischt werden, wodurch eine individualisierte Farbgebung schon im Druck entsteht. Aber auch in der Beratungsleistung hat sich Protolabs – zusätzlich zu der gezielten, individuellen Beratung – ein weitreichendes Servicekonzept ausgedacht. „Wer sich weiter informieren möchte, der kann auf unsere umfassende Bibliothek zugreifen mit Onlineressourcen wie Richtlinien, Tipps und Whitepaper“, erklärt Daniel Cohn, Geschäftsführer von Protolabs. Außerdem gibt der Dienstleister über Webinare regelmäßig Einblicke in die Besonderheiten und Anforderungen des 3D-Drucks. Auch das Auftraggeberspektrum scheint bei Protolabs am umfangreichsten, denn außerhalb der Industrie findet sich hier auch „der Tüftler, der ein Einzelteil benötigt“, sagt Cohn. In Sachen Nachbearbeitung reichen die Möglichkeiten von CNC-Verfahren bis zur optischen Gestaltung, somit können sowohl funktionale Elemente wie Bohrlöcher hinzugefügt oder durch Lacke und Metallüberzüge der Schönheit nachgeholfen werden.

Beratung beginnt beim Nutzen des Bauteils

Ebenfalls mit dem Spritzguss vertraut ist man bei Kegelmann Technik. Allerdings wird auch schon seit fast 30 Jahren additiv gefertigt. Der Auftragsfertiger hat die entsprechenden Zertifizierungen für die Automobilindustrie (IATF 16949), die Luft- und Raumfahrt (DIN EN 9100) und erfüllt die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001. Mit insgesamt dreizehn Maschinen wird in den Verfahren SLA, SLS und SLM gearbeitet, die Materialien sind entsprechend: Accura Extreme und Visijet Clear (Polymerharze), PA 11, PA 12, PA12 GF (glaskugelverstärkt), PA12 HST (mineralfaserverstärkt) und PP sowie 1.4404 Edelstahl, AlSi 10Mg Aluminium. „Wir beraten vom Ende her, das heißt vom Nutzen, den das Bauteil für den Kunden oder dessen Kunden bringen soll“, erklärt Kegelmann die Beratungsphilosophie des Connected Prototyping. „Wir begleiten unsere Kunden über die gesamte Prozesskette vom Ideenstadium oder den jeweiligen Schmerzpunkten über Prototyping bis zur Serienreife. Ziel ist, Nachhaltigkeit, Resilienz und Zukunftsfähigkeit in die Bauteile der Kunden einzubauen.“ Außerdem setzen sie auf „Eisbrecherprojekte“, bei denen sich relativ einfach schnelle und große Erfolge zeigen und sich in nennenswerter Höhe in viel weniger als einem Jahr für das Unternehmen rentieren.

Exklusive Materialien für Kunden

Eine Besonderheit an sich ist die Fit AG. Denn dieser Auftragsfertiger startete 1995 mit 3D-Druck und ist ausschließlich in diesem Geschäftsfeld unterwegs; auch die mit konventionellen Methoden fertigenden Töchter werden durch additive Methoden unterstützt. Aus seiner Erfahrung heraus kommt an die Auftraggeber ein kleiner Appell von Carl Fruth, Gründer und Geschäftsführer von Fit: „Häufig teilen uns unsere Interessenten die echten Anforderungen nicht mit, entweder weil sie sie gar nicht wissen oder weil es als Geschäftsgeheimnis gesehen wird. Hier kann die Beratung natürlich dann auch fehlerhaft sein.“ Auch wenn Kunden sich bereits auf Konstruktion, Material und Verfahren festgelegt haben, können die Fachkräfte nur schwer weiterhelfen. „Wir empfehlen deshalb immer, uns schon in die ganz frühe Konzeptionsphase mit zu integrieren“, so Fruth. Denn: „Erfahrung ist zwingend notwendig. Hier unterscheidet sich die Additive Fertigung nicht von anderen komplexen Fertigungstechniken.“ Fit arbeitet mit zehn additiven Verfahren, darunter EBM, WAAM und Multimaterial-Techniken. Entsprechend umfangreich ist die Werkstoffauswahl, zu der auch Titan und selbst entwickelte Kunststoffe zählen. Letztere werden auch exklusiv für einen Kunden angefertigt. In Sachen Datenschutz und Geheimhaltung hat Fit anscheinend ein Rundum-sorglos-Paket: von getrennten Sicherheitsbereichen über ein auditiertes Compliance-System und Versicherungen zu Vertrauensschäden bis zur gesonderten Entsorgung von Datenträgern sowie Muster- und Ausschussteilen.

Gemeinsam ist den Auftragsfertigern, dass sie vorwiegend Prototypen und Kleinserien fertigen. Die Automobilindustrie ist anscheinend die bestellfreudigste Branche, aber auch die Luft- und Raumfahrt ist sehr aktiv. Eine intensive Kundenberatung bezüglich Konstruktion und Design bieten sie alle an. Will man bei der Verfahrens- und Materialwahl umfassend beraten werden, sollte man sich ein Unternehmen mit entsprechender Expertise aussuchen. Ebenfalls gemein haben alle eine Datenbevorratung, in der Regel zehn Jahre. So kann schnell auf Nachbestellungen reagiert werden, aber auch Änderungen am Produkt sind möglich.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45267603 / Additive Fertigung)

Themen-Newsletter Additive Fertigung abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.

Meistgelesene Artikel

Der zerspanende Roboter auf dem Prüfstand

Zerspanende Roboter

Der zerspanende Roboter auf dem Prüfstand

07.12.18 - Sie sind günstiger geworden, genauer und auch steifer. Roboter bieten bereits jetzt in gewissen Industriebereichen gute Einsatzmöglichkeiten, so auch in der Zerspanung. Auf dem Technologietag „Zerspanen mit Robotern“ diskutieren Industrie und Forschung im Zweijahresrhythmus über die Entwicklung auf diesem Gebiet. lesen

Deutschlands KI-Vorreiter auf einen Blick

Künstliche Intelligenz

Deutschlands KI-Vorreiter auf einen Blick

04.12.18 - Deutschland soll Technologieführer für Künstliche Intelligenz (KI) werden, so das Ziel der Bundesregierung. Wo in Deutschland KI-Anwendungen entwickelt und angewendet werden, zeigt eine KI-Landkarte. lesen

Cobots machen 3D-Druck konkurrenzfähig

Additive Fertigung trifft Robotik

Cobots machen 3D-Druck konkurrenzfähig

06.12.18 - Voodoo Manufacturing betreibt inmitten von Brooklyn eine 1700 m2 große 3D-Drucker-Farm mit über 160 Geräten. Um noch effizienter zu werden, übernimmt ein mobiler, kollaborativer Roboter von Universal Robots das Be- und Entladen der Druckplatten. lesen