Suchen

Handlungskonzept Stahl Die Stahlindustrie soll grüner werden

Redakteur: Simone Käfer

Die Bundesregierung hat Ihr Konzept für eine langfristig starke, international wettbewerbsfähige und klimaneutrale Stahlindustrie vorgelegt.

Firmen zum Thema

Das Bundeskabinett hat das federführend vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erarbeitete „Handlungskonzept Stahl“ beschlossen.
Das Bundeskabinett hat das federführend vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erarbeitete „Handlungskonzept Stahl“ beschlossen.
(Bild: gemeinfrei (Skeeze, Pixabay) / Pixabay )

„Handlungskonzept Stahl – Für eine starke Stahlindustrie in Deutschland und Europa“ heißt das vom Bundeskabinett vorgelegte politisches Gesamtkonzept, mit dem die deutsche Stahlindustrie sowohl international wettbewerbsfähiger als auch klimaneutraler werden soll. Denn die Lage der Stahl- und anderer Grundstoffindustrien erfordere eine Überprüfung des handelspolitischen Instrumentariums der EU, heißt es in der Pressemitteilung. Sie müsse sowohl bei der Reform des Emissionshandelssystems als auch im Zusammenhang mit dem Green Deal berücksichtigt werden.

Daher soll die Zukunft der Stahlindustrie auch Thema der deutschen EU-Ratspräsidentschaft werden. Das internationale Umfeld für die Stahlindustrie hat sich in den letzten Jahren zusehends verschärft, etwa durch Überkapazitäten auf internationalen Märkten, ein nicht einfaches handelspolitisches Umfeld und durch ambitionierte Umwelt- und Klimaziele. In dieser herausfordernden Lage müssen Stahlunternehmen nun langfristig wirkende Investitionsentscheidungen zugunsten CO2-armer Stahlerzeugungsverfahren treffen, wird von der Pressestelle des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mitgeteilt. Nach überschlägigen Berechnungen der Branche würden dafür Investitionen in einer Größenordnung von rund 30 Mrd. Euro in Deutschland prognostiziert.

Mit dem Handlungskonzept verfolgt die Bundesregierung die Ziele:

  • Chancengleichheit auf dem globalen Stahlmarkt zu schaffen,
  • den Carbon Leakage-Schutz für die Stahl- und andere energieintensive Industrien zu stärken,
  • eine Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion zu ermöglichen und
  • die Chance zu nutzen, Vorreiter innovativer Klimaschutztechnologien zu werden.

Auf der Grundlage des „Handlungskonzept Stahl“ sollen künftig Investitionen in treibhausgasarme/-freie Technologien in der Stahlindustrie unterstützt und die industrielle Nutzung von Wasserstoff vorangebracht werden.

Stimmen aus Regierung und Verbänden

Bundeswirtschaftsminister Altmaier, der das Konzept vorstellte, sagte: „Es ist wichtig, dass wir jetzt handeln, damit dieser für unsere Volkswirtschaft so wichtige Industriezweig auch in 30 Jahren aus eigener Kraft wettbewerbsfähig und klimafreundlich in Deutschland produzieren kann. Dafür haben wir heute die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt.“

Laut Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, begrüße die Branche die Verabschiedung des Handlungskonzepts. „Damit liegt ein kohärentes, industriepolitisches Gesamtkonzept vor, das die Herausforderungen für die Branche adressiert. Die kommenden Monate müssen nun in verschiedener Hinsicht genutzt werden: Die Folgen der Corona-Krise müssen bewältigt, eine erneute Stahl-Importkrise verhindert und faire Wettbewerbsbedingungen in der Energie- und Klimapolitik geschaffen werden. Zudem gilt es zeitnah in Deutschland und auf europäischer Ebene die politischen Instrumente für die Transformation in eine CO2-arme Stahlproduktion auf den Weg zu bringen.“

Auch die IG Metall spricht sich für das Konzept aus. „Aus Sicht der Beschäftigten setzt das Handlungskonzept ein wichtiges Signal in Richtung grüner Stahl”, so Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und für die Stahlindustrie zuständiges geschäftsführendes Vorstandsmitglied. „Die Bundesregierung hat damit eine gute Grundlage geschaffen, die Transformation der Stahlindustrie zu fördern. Nur wenn der Weg zur klimaneutralen Stahlindustrie konsequent beschritten wird, sichert dies die 85.000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie und viele weitere entlang der Wertschöpfungskette. Aus dem Handlungskonzept Stahl müssen nun schnell konkrete Förderprogramme und eine praktische Umsetzung erwachsen. Die aktuelle Krise und die damit verbundene Unterauslastung der Branche kann zu massiven Liquiditätsschwierigkeiten führen und erfordert eine enge Begleitung durch Bund und Länder. Nur so werden wir „grünen Stahl“ in Deutschland realisieren können.“

(ID:46719420)