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Elektrifizierung der Tiefsee unter extremem Druck

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Tiefseetaugliche Stromversorgung kann Öl- und Gasausbeute erhöhen

Gerade hier würden autarke Unterwasser-Fabriken Sinn machen. „Die Bedingungen am Meeresgrund sind anders als an der Oberfläche zwar extrem, aber stabil – konstante Temperaturen um die vier Grad Celsius, keine Stürme und keine Eisberge“, erklärt er. „Die Anlagen in der Tiefe sind daher viel weniger anfällig und zudem kostengünstiger.“ Die einzige Verbindung zur Oberfläche wäre ein Stromkabel und eine Pipeline, die je nach Entfernung zur Küste auch direkt an Land führen könnten.

Mit einer tiefseetauglichen Stromversorgung ließe sich die Produktionskapazität einer Lagerstätte erhöhen – etwa weil damit mehr Pumpen konstant betrieben werden können als heute. „Mit der neuen Technik könnten wir rund 60 % eines Reservoirs ausbeuten. Mit derzeitigen Subsea-Systemen sind allenfalls 40 % möglich“, sagt Lystad.

Nach der "Folterkammer" kommt die ewige Finsternis

Wenn alle Bauteile die Tests im Labor bestanden haben, werden sie zu einer Netz-Komponente zusammengesetzt und fest auf einem Träger verschraubt. Die Plattform ist dabei mit Zinkplatten versehen, die Korrosion durch das Salzwasser verhindern sollen. Darüber kommt das Gehäuse. Einen ersten Tiefsee-Transformator haben die Ingenieure bereits fertiggestellt. Auch sein erstes Bad im Meer hat der Container schon hinter sich – wenn auch nur testweise, im Trondheimer Hafenbecken. Noch im wollen Lystad und sein Team die 35 t schwere Schaltanlage montieren; in der Halle neben dem Druck-Labor steht der halbfertige Koloss wie ein U-Boot im Trockendock. Bis Ende 2014 soll der Frequenzumrichter, der die Ölpumpen oder Gasverdichter mit der richtigen Betriebsspannung versorgt, das Licht der Welt erblicken – das Ungetüm wird rund 100 t auf die Waage bringen. „Danach kombinieren wir alle drei zu einem Netzwerk und machen den finalen Test“, sagt Lystad. Dabei werden die Systeme das erste Mal in die ewige Dunkelheit hinuntergelassen.

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