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Getriebe Getrieben auf den Zahn gefühlt – da geht noch was

Redakteur: Ute Drescher

Zahnradgetriebe sind gute, alte Bekannte in der Antriebstechnik. Doch schaut man genauer hin, zeigt sich: Auch sie geben der Antriebstechnik immer wieder neue Impulse. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

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Optimierung der Getriebeentwicklung, hier am Beispiel der Siemens-Reihe Flender SIG (Stirnrad- und Kegelstirnradgetriebe); gegenüber der Vorgängerreihe wurden das Drehmoment erhöht und die Baugrößenstufen harmonisiert.
Optimierung der Getriebeentwicklung, hier am Beispiel der Siemens-Reihe Flender SIG (Stirnrad- und Kegelstirnradgetriebe); gegenüber der Vorgängerreihe wurden das Drehmoment erhöht und die Baugrößenstufen harmonisiert.
(Bild: Siemens)

Wo die Entwicklung heutiger Industriegetriebe ihren Ausgang nahm, lässt sich nur schwer bestimmen. Triebstöcke in Windmühlen und Webstühlen können als Vorläufer heute eingesetzter Getriebe gelten. Mit der Einführung des Riemenantriebs zur Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts nahm die Entwicklung langsam Fahrt auf. Ein weiterer Meilenstein war dann einige Jahrzehnte später die Einführung von Zahnradgetrieben mit vergüteten Zahnrädern.

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„Signifikant erhöhte sich die Leistungsdichte von Getrieben mit der Einführung einsatzgehärteter und geschliffener Verzahnung“, erklärt Dr. Ralf Martin Dinter, Vice President R&D, Mechanical Drives Business Unit der Siemens AG, Bocholt. Parallel zur permanenten Optimierung der Getriebe selbst, begannen Anbieter wie Siemens – damals noch Flender – mit dem Aufbau von Plattformen. „Flender entwickelte eine Plattform für Stirnrad- und Kegelstirnrad- sowie Planetengetriebe, danach kundenspezifische und Branchen-Lösungen auf Basis bewährter Baukastengetriebe“, berichtet Dinter.

Spielarme Planetengetriebe machen Servotechnik möglich

Planetengetriebe sind im Maschinenbau seit Jahrzehnten weit verbreitet. Für Thomas Bayer, Leiter Generierungsprozess der Wittenstein AG, Igersheim, gehört die Einführung des ersten spielarmen Planetengetriebes auf der Hannover Messe 1983 zu den technologischen Meilensteinen der Getriebeentwicklung. „Ihren Siegeszug feierte diese Getriebegattung dann endgültig Ende der 1980er-Jahre“, erkärt Bayer die Bedeutung für die gesamte industrielle Antriebstechnik. „Die Servotechnik wurde ja erst durch spielarme Planetengetriebe in Kombination mit neu entwickelten, permanenterregten Servomotoren möglich“. Neben den Planetengetrieben nennt Thomas Bayer zwei weitere Getriebearten, die im industriellen Umfeld von Bedeutung sind: Zykloidgetriebe in der Robotertechnik sowie Wellgetriebe, die sich in Nischenmärkten und -anwendungen zwischen den beiden anderen Getriebegattungen erfolgreich behaupten.

Dr.-Ing. Jörg Hermes leitet bei SEW-Eurodrive die Entwicklung Standardgetriebe, heute ein führender Hersteller von Getriebemotoren. „Das war deutlich vor meiner Zeit“, so Hermes, „aber die Entwicklung des SEW-Getriebemotorenbaukastens war ein Meilenstein im Getriebebau. Er erlaubt effizient eine zentrale Fertigung und ein weltweit engmaschiges Montagekonzept, um den Kunden in kürzester Zeit vor Ort zu bedienen. Der Baukasten ist bis heute für eine ganze Branche richtungsweisend.“

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