Personalarme Fertigung Maschinen chaotisch laden und unbemannt laufen lassen

Redakteur: Mag. Victoria Sonnenberg

Gerade bei der Herstellung von Sonderwerkzeugen und beim Nachschleifservice sind ständig wechselnde Durchmesser und Werkzeugtypen an der Tagesordnung. Um dennoch produktiv bleiben zu können, kommt nicht selten eine Automatisierungslösung zum Einsatz.

Durch die hohe Präzision und Flexibilität kann die Bachert Werkzeugschleiftechnik seine Produktivität beim Schleifen unterschiedlichster Werkzeuge in einer Charge deutlich steigern.
Durch die hohe Präzision und Flexibilität kann die Bachert Werkzeugschleiftechnik seine Produktivität beim Schleifen unterschiedlichster Werkzeuge in einer Charge deutlich steigern.
(Bild: Anca)

Vom Schaftfräser bis zur Reibahle schleift und setzt die Bachert Werkzeugschleiftechnik die unterschiedlichsten Standardwerkzeuge aus VHM, HM und HSS instand. Daneben fertigt und repariert das Familienunternehmen auch HM-bestückte Sonderwerkzeuge. Um die Produktivität zu steigern, suchte Geschäftsinhaber Dieter Bachert nach einer Automatisierungslösung, speziell für die Werkzeugbestückung. Auf der EMO 2019 wurde er bei Anca fündig, die den neuen AR300-Scara-Roboter für das Nachschleifen von Kleinserien und das chaotische Beladen vorgestellt haben.

„Diese Lösung ist maßgeschneidert für die Anforderungen unserer Nachschleifarbeiten. Wir bieten einen Abhol- und Lieferservice für das Nachschärfen, die Reparatur und den Austausch von Schneidwerkzeugen an. Mit der neuen Automatisierungslösung AR300 für kleine gemischte Chargen können wir Werkzeuge von verschiedenen Kunden chaotisch laden und die Maschine unbeaufsichtigt laufen lassen“, sagt Bachert.

Bildergalerie
Es liegt in der Natur der Sache, dass wir täglich mit einer großen Vielfalt an unterschiedlichen Schneidwerkzeugen umgehen müssen.

Dieter Bachert, Geschäftsinhaber Bachert Werkzeugschleiftechnik

Auf der EMO 2019 war der AR300-Scara-Roboter integriert in eine Werkzeugschleifmaschine FX5 Linear von Anca. Diese Kombination war genau passend für Bachert, sodass er noch vor Ort in die Maschine investierte. Nach der Messe installierte Anca die Maschine im Werk im schwäbischen Baltmannsweiler.

Kleine und gemischte Lose bearbeiten

Mit einer Spindelleistung von 9,5 kW und dem automatischen 2-Scheibenwechsler ermöglicht die FX5 Linear die Bearbeitung verschiedener Werkzeugtypen mit mehreren Scheiben und ist damit für kleine und gemischte Lose geeignet. Die zylindrischen Lin-X-Linearmotoren in Verbindung mit den linearen Glasmaßstäben sorgen für eine glatte Achsbewegung (X und Y) und damit für eine hohe Maschinengenauigkeit. Da es sich um kontaktlose Antriebe handelt, kommt es zu keinem Verschleiß. Auch ist Lin X weitgehend immun gegen Temperaturschwankungen. So entstehen präzise Werkzeuge mit gleichbleibend guter Oberflächenqualität. Durch die hohe Achsgeschwindigkeit und Beschleunigung reduzieren sich zudem die Zykluszeiten.

Die FX5 Linear bietet bereits durch den Scheibenwechsler einen guten Automatisierungsgrad und verschiedene Beladungsoptionen, um den Anforderungen einer erhöhten Produktivität gerecht zu werden. Zusammen mit der automatischen Spanzangenbeladung durch den AR300 ist eine hohe Flexibilität zum Nachschleifen verschiedener Werkzeuge mit unterschiedlichen Durchmessern und Werkzeugtypen in einer Aufspannung möglich.

Komplexe Roboterprogrammierung wird überflüssig

Die große Flexibilität des Laderoboters wird zudem durch die bedienerfreundliche Loader-Mate-Software ermöglicht, die eine komplexe Roboterprogrammierung überflüssig macht. Maschine und Lader werden nahtlos ineinander integriert, sodass die Steuerung direkt über die Bedienerschnittstelle der Maschine erfolgt. Der Anwender kann so jedes Werkzeug an jedem Platz in der Palette programmieren. Dabei können verschiedene Werkzeuggrößen und -typen in dieser Charge verwendet werden. Das ermöglicht dem Anwender, schnell und einfach eine Reihe unterschiedlicher Profile und Formen zu produzieren – ohne spezielle Programmiererfahrung.

Die Menge an Werkzeugen, die wir heutzutage nachschärfen, wäre mit einer manuellen Beladung nicht mehr zu bewältigen.

Dieter Bachert, Geschäftsinhaber Bachert Werkzeugschleiftechnik

„Dabei sind die unterschiedlichen Werkzeuge und die Schleifanforderungen in meinem Werkzeugraum jeden Tag anders. Mit der Loader-Mate-Software können wir jede Palettenposition programmieren oder ein Programm für mehrere Werkzeuge hintereinander verwenden. So können wir die Werkzeuge nach Durchmesser oder Werkzeugtyp sortieren oder die Werkzeuge eines Kunden zusammenhalten“, so Bachert.

Durch diese zusätzliche Funktionalität bleiben während der regulären Arbeitszeit wertvolle Kapazitäten für administrative Aufgaben oder zum Schleifen von Sonderwerkzeugen an der anderen Maschine frei. Dank der Automatisierung läuft die FX5 Linear dann auch die Mittagspause durch. „Zudem beladen wir die Maschine jetzt immer öfter vor dem Ende der regulären Arbeitszeit. So kann die Maschine ein paar Stunden unbeaufsichtigt laufen, ohne dass zusätzliche Arbeitskosten anfallen, was die Produktivität und den Umsatz des Unternehmens erhöht“, ergänzt Bachert.

Auf der FX5 Linear setzt Bachert Werkzeugschleiftechnik die Nikken-Spannzangen NK20 oder KM20 ein. Jedes Werkzeug hat seine eigene Spannzange, mit der es in die Palette eingesetzt wird. Mit einem Griff lädt der AR300 das Werkzeug und die Spannzange zusammen in einen Schaublin B32/45-Spannzangenadapter. So werden das Produktivitätsniveau und die Maschinenleistung gesteigert. Das führt zur schnellen Investitionsrendite und höheren Profiten. Mit den Spannzangen, die Bachert verwendet, können Werkzeuge mit einem Durchmesser von 3 bis 16 mm geladen werden, bei der NK20 sogar Werkzeuge bis Durchmesser 18 mm. In diesem Fall hat dann die Palette eine maximale Kapazität von 30 Werkzeugen.

Mit der FX5 Linear inklusive AR300 erhält die Bachert Werkzeugschleiftechnik eine intelligente Lösung für die personalarme Fertigung, die auch aufgrund ihrer kompakten Maße schnell und einfach in die vorhandene Produktion integriert ist. Der Flexibilität beim Laden von gemischten Werkzeugchargen mit einem Ladezyklus von zirka 25 Sekunden konnte dabei die Produktivität deutlich steigern.