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Manufacturing-Execution-Systeme

Prozessanalyse entlarvt unnötige Kosten

| Autor/ Redakteur: Jürgen Kletti / Peter Steinmüller

Kunden verlangen heutzutage beste Qualität bei niedrigstem Preis und kürzester Lieferzeit. Um diese widersprüchlichen Vorgaben zu erfüllen, ist eine höhere Transparenz der Fertigungsprozesse notwendig. Manufacturing-Execution-Systeme (MES) helfen dabei, indem sie Produktionsdaten in Echtzeit aufbereiten.

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Die Stückkostenfalle im Überblick: Weil in der Fertigungsorganisation die Durchlaufzeiten vernachlässigt wurden, liegt der Anteil der wertschöpfenden Zeit bei 3%.Quelle: MPDV
Die Stückkostenfalle im Überblick: Weil in der Fertigungsorganisation die Durchlaufzeiten vernachlässigt wurden, liegt der Anteil der wertschöpfenden Zeit bei 3%.Quelle: MPDV
( Archiv: Vogel Business Media )

Mit der Einführung von Kostenrechnungssystemen und ERP-Systemen lassen sich zwar Aufträge nachkalkulieren und damit eine gewisse Transparenz herstellen. Reaktionsfähig im Sinne von zeitnaher oder echtzeitfähiger Reaktion ist ein Unternehmen damit noch nicht.

Wenn die Nachkalkulation zeigt, dass die Herstellung eines Artikels oder die Abwicklung eines Auftrages nicht so gelaufen ist, wie die Vorkalkulation es vorgeschrieben hat, kann der Fertigungsplaner bestenfalls neue organisatorische Maßnahmen treffen. Die häufig praktizierte betriebswirtschaftliche Konzentration auf Transparenz und Reaktionsfähigkeit, die sich im Zeitraster eines ERP-Systems von Tagen bis zu mehreren Wochen bewegt, stellt Verbesserungen aufgrund von Veränderungen des Produktes oder der Organisation in den Mittelpunkt wie preiswertere Materialien oder weniger Arbeitsschritte.

ERP-Strategien führen nicht immer zu optimalen Lösungen

Eine vielversprechendere Alternative bietet die Beschäftigung mit Online-Reaktionsfähigkeit und Transparenz. Sie zielt darauf ab, Produkte und eine Organisation detailliert zu beobachten und Schwachstellen schnell zu beseitigen. Dieses Verfahren ermöglicht zudem eine Schwachstellenanalyse in der Fertigungsorganisation. Im ersten Fall kann man daher von Stückkostenpotenzial, im zweiten von Prozesskostenpotenzial sprechen. Zugespitzt ausgedrückt: Die Vorliebe der Industrie, längerfristige Planung in den Vordergrund zu stellen, führt in die sogenannte Stückkostenfalle. Betriebe, die dort hineingeraten sind, nutzen zu wenig Prozesskostenpotenziale.

Am Beispiel einer ganz normalen Fabrik, die ein Teil herstellt, das sich aus Kunststoff- und Metallkomponenten zusammensetzt, kann der Fachmann schon bei oberflächlicher Betrachtung feststellen, welche Prozesspotenziale in der Herstellung verborgen sind (siehe Abbildung). Dividiert man die wertschöpfende Zeit durch die gesamte Durchlaufzeit, so erhält man den sogenannten Prozessgrad.

In unserem Beispiel wurden 3% angenommen. Der Wert ist zwar erschreckend, aber in Fertigungsunternehmen durchaus typisch. ERP-Fertigungspläne, die auf die Vermeidung von Umrüstvorgängen und besonderen Materialstrategien abzielen, führen oft dazu, dass Produkte in großen Losen produziert werden.

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