Harzinjektion

RTM-Verfahren bringt Rennwagen-Sicherheit auf die Straße

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Fertigung des komplexen Teils auf Pressen im RTM-Verfahren

Daher hat sich McLaren für das Harzinjektionsverfahren RTM (Resin Transfer Moulding) mit gelegeverstärkten Preforms entschieden. Warum hat man jedoch eine praxiserprobte Fertigungstechnik zugunsten eines RTM-Verfahrens aufgegeben, bei dem man hinsichtlich der Baugröße und Komplexität Neuland betritt? Für Santoni liegt die Antwort in der Zeiteinsparung: Im Vergleich zum Handlaminieren und Aushärten im Autoklaven sei die Fertigungsdauer für „die Wanne“ auf ein Zehntel reduziert.

Rund die Hälfte der Zeit wird beim Roadster-Modell zum Handlaminieren benötigt. Die übrige Zeit verteilt sich auf die Prozesse Harzspritzen, Inspektion und Zerspanen.

Werden beim RTM-Verfahren an stark belasteten Stellen Aluminiumteile mit der Wanne gemeinsam verpresst, um Kontaktkorrosion zwischen CFK und dem Leichtmetall zu vermeiden, ist beim Handlaminieren eine zusätzliche Grundierung der Metallteile vor dem Einlegen erforderlich. Im Gegensatz dazu sorgt der Infusionsprozess dafür, dass sich eine dünne Schutzschicht aus Harz zwischen CFK und Metall bildet. Nach ausführlichen Salzsprühtests wurden keinerlei Anzeichen von Korrosion festgestellt.

Die RTM-Anlage stammt vom US-amerikanischen Spezialisten Huntsman Advanced Materials, The Woodlands/Texas. Die Preforms kommen vom japanischen Hersteller Toray Industries. Sie werden in zwei Formaten geliefert – mit kräuselresistentem multiaxialem Gewebe (NCF) und als monoaxiales Band mit unidirektionalen Fasern, wobei gelegentliche Kreuzstiche aufgrund der späteren Belastung erforderlich sind.

Die NCF- und UD-Lagen werden automatisch zugeschnitten und vorerst manuell abgelegt. Derzeit forscht McLaren nach Möglichkeiten, das Ablegen der Zuschnitte kostengünstiger und mit höherer Reproduzierbarkeit zu gestalten.

Serienfertigung der Fahrgastzelle übernimmt ein CFK-Spezialist

Eine Besonderheit dabei ist, dass McLaren das Gewebe anhand eines Leistungspflichtenhefts einkauft und nicht aufgrund der Nennung eines Herstellers. Bisher haben drei Gewebehersteller bewiesen, dass sie die Anforderungen des Pflichtenhefts erfüllen können. Die für das RTM-Verfahren erforderlichen Formen wurden von McLaren konstruiert. Bis dato wurden damit über 100 Fahrgastzellen hergestellt, die bereits unterschiedlichen Tests standhielten.

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