Maschinenbau-Zukunft Sieben Hürden muss der deutsche Maschinenbau nehmen

Redakteur: Peter Königsreuther

Stellen Sie als Maschinenbauer die richtigen Weichen in die Zukunft! Prof. Dr.-Ing. Gisela Lanza vom KIT und Karsten Schulze von FTI Andersch sagen Ihnen hier, was Sie nicht verschlafen dürfen.

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FTI-Andersch und das KIT sind der Meinung, dass der deutsche Maschinenbau viel nachzuholen hat und dabei sieben Herausforderungen meistern muss, um sich zu behaupten...
FTI-Andersch und das KIT sind der Meinung, dass der deutsche Maschinenbau viel nachzuholen hat und dabei sieben Herausforderungen meistern muss, um sich zu behaupten...
(Bild: VCG)

Bereits vor der Pandemie war der deutsche, mittelständische Maschinenbau nicht wirklich gesund, erinnern uns die beiden Experten. Dass, so die weitere Meinung, liegt daran, dass in den letzten 10 Jahren alles gut lief, Trends zwar wahrgenommen, aber nicht wirklich umgesetzt wurden. Jetzt steigt der Preisdruck von Seiten vieler Marktbegleiter, aber es fehle die Expertise dem Paroli zu bieten. Karsten Schulze, Partner und Maschinenbau-Experte bei der Unternehmensberatung FTI-Andersch, und Professorin Dr.-Ing. Gisela Lanza, Institutsleiterin des Bereichs Produktionssysteme am wbk Institut für Produktionstechnik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) verraten hier, was Maschinenbauer jetzt tun müssen, um die Versäumnisse nachzuholen. Sieben Herausforderungen müsse demnach mit Erfolg begegnet werden:

1. Geschäftsmodelle und Produkte sind neu zu denken, sonst machen es andere!

Konstruktion, Bau und Verkauf dominierten bis jetzt das Maschinenbau-Geschäftsmodell, das wir kennen. Leasing, Abos oder sogenannte additive Services seien kaum etabliert. Zusatzdienstleistungen rechneten sich nur zu 20 % zum Umsatz, meist durch Wartungsverträge generiert.

Karsten Schulze weiß: „Die Erfahrung zeigt, dass was im Konsumentenbereich als Trend beginnt und sich durchsetzt, irgendwann auch im B2B-Kontext ankommt.“ Zwar gebe es bereits seit über zehn Jahren Ideen dafür, doch hätten das viele Maschinenbauer bisher ignoriert. „Dazu gehört es auch, zum Beispiel datengetriebene Zusatzservices zu entwickeln, um sich im Vergleich zu günstigeren Wettbewerbern abzusetzen“, sagt Schulze.

Der Experte rät, dass man jetzt nicht weiter jede einzelne Schraube optimieren sollte, sondern das „Große Ganze“. Schulze merkt an: „Der Preiswettbewerb mit Asien etwa ist schon mal nicht zu gewinnen. Es gilt deshalb zu prüfen, durch welche neuen Geschäftsmodelle und zusätzlichen Services Differenzierungschancen jenseits der Maschinenqualität und des Preises möglich sind.“ So könne es helfen, wenn man sich mit komplementären Anbietern, die in Standortnähe sitzen, zu Digitalisierungs- und Transformations-Allianzen zusammenschließe. Das ist effizient, denn nicht jeder, so Schulze weiter, braucht seine eigene Plattform oder sein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln.

2. Es braucht Kooperationen – doch droht der Frenemie!

Der deutsche Maschinenbau komme nicht darum herum, mit IT- und Technologieunternehmen aus den USA oder etwa Asien zusammen zu arbeiten. Schulze betont, dass der Zug für den Aufbau von eigenem, internem Know-how für neue Geschäftsmodelle und Digitalisierungsstrategien schon abgefahren ist. Man braucht als Partner, doch die lernen schnell dazu und reagieren bei der Umsetzung neuer, brauchbarer Ideen meist viel schneller als die Deutschen, heißt es weiter. Schulze präzisiert: „Es ist beispielsweise wahrscheinlicher, dass ein Software-Experte auch die passende Hardware entwickelt, als umgekehrt!“

So, mahnt der Unternehmensberater, können aus Freunden schnell Feinde werden – Stichwort: Frenemies. Denn die Partner sind international kaum ausgleichenden Regeln unterworfen, also ein starker Gegner. Gegen dieses Problem hätten die Deutschen noch keine Lösung parat. Schulze rät: „Vergessen Sie das mit Blick auf den leider nötigen Kooperationspartner nie. Weil die EU juristisch kaum dagegen steuern dürfte, muss man notgedrungen mit dem Risiko leben. Doch, so Schulze, hat man ja die Möglichkeit, selbst vom Gegenüber lernen zu können. Schauen Sie sich einfach ab, wie die anderen organisiert sind, rät der Experte.

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