Absturzsicherungselement Absturzsicherung mit Alarmfunktion verhindert Kollaps durch Hängetrauma

Autor / Redakteur: Ludwig Beckers und Heinz-Theo van Afferden / Mag. Victoria Sonnenberg

Arbeitsplätze in luftiger Höhe müssen gesichert sein. Dennoch kann sich trotz eines Sicherungssystems ein Sturz ereignen. Dann kann dem Verunglückten ein tödlicher Kreislaufkollaps durch ein Hängetrauma drohen. Ein neues Absturzsicherungselement soll im Falle eines Sturzes in der ersten Sekunde in einer Zentrale Alarm auslösen.

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Arbeiten an der Absturzkante: Sowohl größtmöglicher Schutz als auch Bewegungsspielraum sollten gewährleistet sein.
Arbeiten an der Absturzkante: Sowohl größtmöglicher Schutz als auch Bewegungsspielraum sollten gewährleistet sein.
(Bild: ABS Safety)

Eine typische Alltagssituation: Ein Mitarbeiter arbeitet in einer Halle auf einem großen Industriegelände. Eine Maschine ist defekt. Um den Fehler zu beheben, muss der Techniker auf die 5 m hohe Maschine klettern. Da eine Absturzsicherung in Deutschland sowohl laut Gesetz als auch gemäß den berufsgenossenschaftlichen Regeln Pflicht ist, wurde der Arbeitsplatz mit einem Seilsicherungssystem ausgestattet.

Sicherheitsgurt verhindert Sturz, aber nicht den Schockzustand

Mit einem Gurt ist der Techniker daran befestigt. Während seiner Arbeit wird ihm schwindelig, er verliert das Gleichgewicht und fällt von der Maschine. Zwar hat ihn der Sicherheitsgurt vor dem tödlichen Sturz gerettet, aus dieser lebensgefährlichen Situation kann sich der Arbeiter aber nicht selbst befreien. Auch wenn er sein Handy in Hosen- oder Jackentasche parat hat, wird der Verunglückte kaum in der Lage sein, kontrolliert danach zu greifen und Hilfe zu verständigen.

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Durch den gerade erlebten Sturz befindet sich der im Sicherheitsgurt hängende Arbeiter im Schockzustand. Nach nur wenigen Minuten wird der Verunglückte mit Kurzatmigkeit, Sehstörungen, Schwindel, Übelkeit, Blutdruckabfall und mit Taubheit in den herabhängenden Beinen zu kämpfen haben. Durch den beeinträchtigten Blutkreislauf werden das Gehirn und andere wichtige Organe nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt. Schließlich kommt es zu Kreislaufversagen und Bewusstlosigkeit. Dieses sogenannte Hängetrauma tritt nach medizinischen Erkenntnissen nach maximal zwanzig Minuten regungslosen Hängens auf und kann tödlich enden. Der abgestürzte Techniker benötigt somit eine schnelle Rettung durch geschulte Ersthelfer. Denn die Gefahr eines Hängetraumas besteht in jeder Höhe, egal ob ein Arbeiter von einer 3 m hohen Maschine oder einem 20 m hohen Gebäude stürzt.

Eingebaute Alarmfunktion meldet der Zentrale die genaue Absturzstelle

Eine in das Absturzsicherungssystem eingebaute Alarmfunktion, die den Sturz sowie die punktgenaue Absturzstelle sofort in der Zentrale des Unternehmens meldet, wäre hier eine optimale Lösung. Doch wie kann ein Absturzsicherungssystem von sich aus Alarm schlagen? Vor dieser Frage stand auch der niederrheinische Entwickler für Absturzsicherung ABS Safety, als man nach dem letzten Schliff für das neue Multifunktions-Seilendterminal Force-8 suchte.

Dieses Endterminal mit Seilklemme und Gabelkopf vereint fünf Funktionen, für die in der Regel einzelne Systembausteine nötig wären – dazu gehört dank einer ungewöhnlichen Kooperation nun optional auch eben jene Alarmfunktion. ABS Safety bezog in die Überlegungen die Sicherheitstechniker der Firma Goldstrass aus Duisburg mit ein. Diese erledigen die Wartung der Alarmsysteme in den Räumlichkeiten von ABS Safety. Mit der Frage, wie in ein nur 2 kg schweres und 50 cm langes Sicherheitselement eine Alarmfunktion integriert werden kann, wandten sich die Entwickler für Absturzsicherung an die Sicherheitstechniker von Goldstrass. Denn vielleicht – so der Hintergedanke – könnte die automatische Absturzmeldung durch die Koppelung an ein Alarmsystem realisiert werden. Bei mehreren Gesprächen wurde dann eine unkomplizierte Lösung gefunden.

Bustechnik löst bei Kontaktunterbrechung Alarm aus

Goldstrass entschied sich für eine Bustechnik, ein Verbindungssystem zur Übertragung von Informationen. Diese Technik ermöglicht es, an einer dünnen Leitung eine Vielzahl von Meldern anzuschließen. Bei Kontaktunterbrechung wird direkt Alarm ausgelöst. Experten schätzen an diesem System, dass es in der Praxis einfach einzusetzen ist. Somit kann die neue Entwicklung mit entsprechenden Datenleitungen von Sicherheitstechnikern problemlos in jede vorhandene oder noch zu installierende Anlage integriert werden, egal ob es sich dabei um eine Alarm- oder Brandmeldeanlage handelt.

Das Endprodukt der Kooperation zwischen Goldstrass und ABS Safety bietet die Möglichkeit, im Ernstfall schnell reagieren zu können. Stürzt ein Mitarbeiter hinunter, wird in der jeweiligen Zentrale ein Alarmsignal ausgelöst. Auch kann genau lokalisiert werden, an welcher Stelle und in welcher Höhe sich der Sturz ereignet hat – ein Vorteil besonders für Arbeiten auf großen Industrieanlagen, in Wartungshallen für Züge, Busse und Flugzeuge oder bei der Befüllung von Silo- und Behälterfahrzeugen. Ein tödlicher Kreislaufkollaps durch ein Hängetrauma kann somit durch die schnelle Hilfe vor Ort verhindert werden.

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