HGÜ-Konverterplattform Siemens realisiert Anbindung des Offshore-Windparks Borwin2
Siemens hat die Borwin2-Offshore-Plattform nordwestlich der Insel Borkum in der Nordsee mit einer Übertragungsleistung von 800 MW installiert. Damit hat der deutsche Konzern laut eigener Mitteilung vom Dienstag im Auftrag des deutsch-niederländischen Netzbetreibers Tennet den zweiten entscheidenden Meilenstein bei den deutschen Netzanbindungsprojekten erreicht.
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Im August 2013 hatte Siemens für die Helwin1-Anbindung bereits seine erste Plattform vor Helgoland installiert, wie es weiter heißt. Auf den Plattformen wird der von den Windturbinen erzeugte Wechselstrom für eine effiziente Übertragung ans Festland in Gleichstrom umgewandelt. Die ebenfalls von Siemens an Tennet gelieferte Borwin2-Konverter-Landstation liege in Diele. Dort werde die elektrische Energie der Windparks zur Einspeisung ins Übertragungsnetz wieder in Wechselstrom konvertiert.
Hochspannungs-Gleichstromübertragung von Siemens begrenzt Verluste auf 3 %
Netzbetreiber Tennet hatte Mitte 2010 das Konsortium aus Siemens und dem italienischen Kabelspezialisten Prysmian mit der Offshore-Netzanbindung Borwin2 beauftragt, wie der deutsche Konzern berichtet. Insgesamt realisiere Siemens fünf Nordsee-Netzanbindungen für Tennet: Helwin1 (576 MW) und Helwin2 (690 MW) vor Helgoland, Borwin2 (800 MW) und Borwin3 (900 MW) vor Borkum sowie SylWin1 (864 MW) vor Sylt. Die ersten vier Netzanbindungen Helwin1 und Helwin2, Borwin2 und SylWin1 seien im Fertigstellungsgrad bereits fortgeschritten und sollen sukzessive zwischen dem zweiten Halbjahr 2014 und dem ersten Halbjahr 2015 in Betrieb gehen.
Den Auftrag für die fünfte Netzanbindung in der Nordsee, Borwin3, habe Siemens im Konsortium mit Petrofac im April 2014 erhalten. Die Inbetriebnahme der Netzanbindung Borwin3 sei für 2019 geplant. Die von Siemens realisierten Netzanbindungen werden nach ihrer Inbetriebnahme laut Mitteilung in Summe über 3,8 GW an Übertragungsleistung verfügen. Dank der Hochspannungsgleichstrom-Übertragung (HGÜ) liegen laut Siemens die Übertragungsverluste pro Verbindung exklusive der Kabelverluste bei weniger als 3 %.
Konvertertechnik HVDC Plus von Siemens erlaubt Schwarzstart von Inselnetzen
Bei der eingesetzten Konvertertechnik namens HVDC Plus handle es sich um Voltage-Sourced-Converter in Modular-Multilevel-Converter-Bauweise (VSC MMC). Siemens sei als Pionier der VSC MMC-Technik auf diesem Gebiet technisch führend. Im Gegensatz zur klassischen Variante der HGÜ, die nur in Netzen mit ausreichender Kurzschlussleistung zum Einsatz kommen könne, ermöglichten Anlagen mit HVDC Plus den Schwarzstart von Inselnetzen. Dies sei für den Betrieb des Offshore-Netzes eine wichtige Grundvoraussetzung.
Die modulare VSC-Technik reduziere die Komplexität und damit den Platzbedarf der Anlagen – gerade für den Einsatz auf Offshore-Plattformen eine Voraussetzung. Zudem sorge HVDC Plus für eine nahezu ideal sinusförmige Wechselspannung und eine glatte Spannung im Gleichspannungskreis. Oberschwingungsfilter seien somit überflüssig.
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