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Stressfaktor Arbeit

Stressmanagement kann man lernen

| Autor/ Redakteur: Frank Borse / M.A. Frauke Finus

In den letzten Jahren greift Stress wie eine Epidemie um sich mit der Folge, dass Krankmeldungen wegen Überlastung immer häufiger werden. Doch Unternehmen können mit gezielten Schulungen ihren Mitarbeitern helfen, mit Stress besser umzugehen.

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Zeit- und Entscheidungsdruck, hohe Eigenverantwortung und Arbeitsdichte, permanente Erreichbarkeit und ständige Arbeitsunterbrechungen sorgen für immer weiter ansteigenden Stress.
Zeit- und Entscheidungsdruck, hohe Eigenverantwortung und Arbeitsdichte, permanente Erreichbarkeit und ständige Arbeitsunterbrechungen sorgen für immer weiter ansteigenden Stress.
(Bild: Techniker Krankenkasse)

Für jedes Unternehmen sind gesunde und motivierte Mitarbeiter wichtig. Doch in den letzten Jahren hat sich eine Entwicklung abgezeichnet, in der der Faktor Stress eine entscheidende Rolle spielt. Heutzutage werden mehr psychische Erkrankungen durch Stress am Arbeitsplatz begünstigt als noch vor ein paar Jahren. Der Schritt von Demotivation und Frustration im Job, dem krankheitsbedingten Ausfall von Mitarbeitern bis zu dem Punkt, an dem sich die hochqualifizierte Fachkraft ein anderes Unternehmen oder anderen Job sucht, ist nicht weit. Einen neuen, passenden Mitarbeiter zu finden, diesen einzuarbeiten und gegebenenfalls durch Aufwand zu qualifizieren, ist mit deutlichen Kosten verbunden. Wesentlich einfacher ist es dem vorzubeugen.

Psychische Erkrankungen und die damit verbundenen Kosten nehmen zu. Nach Muskel-Skeletterkrankungen und Atemwegserkrankungen sind psychische Störungen der dritthäufigste Grund für Krankmeldungen. 41 % aller Frühverrentungen gehen auf seelische Leiden zurück. Im Schnitt dauert eine Krankschreibung eines Beschäftigten 12,7 Tage (über alle Erkrankungsarten), psychische Diagnosen hingegen liegen hier bei rund 38 Tagen je Fall.

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Die Ursachen

Heute sorgen Zeit- und Entscheidungsdruck, hohe Eigenverantwortung und Arbeitsdichte, permanente Erreichbarkeit, ständige Arbeitsunterbrechungen, eine Flut von E-Mails, Telefonaten und Meetings für immer weiter ansteigenden Stress. Dauerstress kann verschiedene körperliche Folgen nach sich ziehen. Stress ist seit Urzeiten eine lebenswichtige Reaktion, die bei Gefahren körperliche Energien freisetzt. Denn die menschlichen Vorfahren mussten sich sofort auf Kampf oder Flucht einstellen können, wenn Gefahr drohte. Hier wurden also vorteilhafte Energien freigesetzt.

Der heutige Büromensch wird nicht mehr von Bären gejagt, er kann sich aber vor einer Aufgabe fürchten. Im Gegensatz zu unseren Vorfahren kann der Büromensch vor dieser „Gefahr“ nicht einfach weglaufen. Ihm fehlt also das Ventil, um die Energie freizusetzen. Hier treten dann häufig körperliche Beschwerden auf. In diesem Zusammenhang wird auch deutlich dass Menschen unterschiedlich sind, Manche kommen mit vielen Herausforderung zurecht, ohne dabei groß in Stress zu geraten, aber andere, sind bei kleineren Aufgaben bereits am Limit.

Die Kauai-Studie

Aufschluss darüber gibt die Kauai-Studie der Entwicklungspsychologin Emmy Werner, die eine Längsschnittstudie über 40 Jahre auf der Insel Kauai (Hawaii) durchgeführt hat. Werner und ihr Team begleiteten über 40 Jahre hinweg knapp 700 Kinder, die 1955 auf der Hawaii-Insel Kauai zur Welt gekommen sind. Ein interdisziplinäres Team von Sozialarbeitern, Krankenschwestern, Kinderärzten und Psychologen prüfte die Entwicklung im Alter von 1, 2, 10, 18, 32 und 40 Jahren. 210 der Teilnehmer (30 %) wuchsen unter äußerst schwierigen Bedingungen auf. Armut, Krankheit der Eltern, Vernachlässigung und Misshandlung prägten ihre Kindheit, auch wurden die Ehen der Eltern häufig geschieden. Diesen Risikokindern galt Werners Interesse. 72 Kinder dieser Risikogruppe entwickelten sich zu kompetenten, selbstsicheren und fürsorglichen Erwachsenen. Sie hatten keine ernsthaften Lern- und Verhaltensprobleme, sie durchliefen erfolgreich die Schule, kamen als Erwachsene gut mit ihrem sozialen und häuslichen Leben zurecht. Diese Kinder hatten also unbewusste Strategien, um mit den Belastungen in der Kindheit erfolgreich umzugehen. Sie waren resilient.

Die Schlüsselfaktoren der Resilienz

In der Psychologie beschreibt Resilienz die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und mit den Widrigkeiten des Lebens gut umgehen zu können.Das Stehaufmännchen aus dem Kinderzimmer ist ein anschauliches Beispiel für Resilienz. Es kann sich aus jeder beliebigen Lage wieder aufrichten. Aufgrund dieser und anderer Studien, konnten sieben Schlüsselfaktoren bestimmt werden, die entscheiden, ob Menschen resilient sind und somit mit Krisen oder starken Belastungen sowie Stress gut umgehen können.

Die sieben Schlüsselfaktoren sind:

  • Akzeptanz = Annehmen was geschieht. Es ist, wie es ist. Was man alles anders hätten machen können, spielt keine Rolle, sondern nur wichtig sind die Möglichkeiten, die man jetzt hat
  • Optimismus = Darauf vertrauen, dass es besser wird.
  • Selbstwirksamkeit = Auf die eigenen Bedürfnisse achten. Nur wenn es einem selbst gut geht, kann man anderen helfen.
  • Netzwerkorientierung = Hilfe von anderen in Anspruch nehmen.
  • Verantwortung = Opferrolle verlassen und Verantwortung für sein Handeln und seine Grenzen übernehmen. Nicht die Verantwortung für das eigene Leben an andere abgeben.
  • Lösungsorientierung = Lebenswünsche entdecken und aktiv angehen.
  • Zukunftsorientierung = Das eigene Leben planen und für die Realisierung sorgen. Sich vor Augen halten, wo man in fünf Jahren sein möchten.

Die sieben Schlüsselfaktoren helfen dabei, zu mehr innerer Stärke und Gelassenheit zu gelangen. Dabei ist jeder dazu fähig, sich ein Leben lang weiterzuentwickeln. Wichtig ist bei Arbeitsstress: sich nicht kampflos der Überforderung und Überlastung ergeben, sondern das Gespräch mit Vorgesetzten, Untergebenen und Kollegen suchen. Allein das Gefühl, aktiv etwas gegen den Stress zu tun, hilft bei der Bewältigung. Modernes Stressmanagement zeigt hier Möglichkeiten, jedem Mitarbeiter die Fähigkeit zu geben, mit Stress routiniert umzugehen. Dazu wird auf die Resilienz Forschung, NLP und Zeitmanagement zurückgegriffen.

Unternehmen können Mitarbeiter dabei unterstützen, Zeit und Stress erfolgreich zu managen.

  • Mit Unternehmenswerten gegen Burnout angehen: Echte Prävention gelingt nur, wenn die Förderung der psychischen Gesundheit in die Ziele und Kultur des Unternehmens eingebettet ist.
  • Präventive Gesundheitsprogramme anbieten: Größere Unternehmen bieten Informationen, Beratung und Qualifizierung in Sachen Gesundheit an. Aber auch KMUs, die sich keine eigenen Gesundheitsprogramme leisten können, sollten in Sachen Gesundheitsprävention auf externe Gesundheitsanbieter zurückgreifen, die zum Beispiel Entspannungsmethoden, Rückenschule, Yoga, Stress- und Kurse zum Zeitmanagement anbieten. Mit dem Jahressteuergesetz 2009 können KMUs jetzt auch Steuern sparen, wenn sie die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern.
  • Gesundheits-Check im Unternehmen: Regelmäßige Befragungen und Analysen ermöglichen dem Unternehmen einen frühen, objektiven Einblick.
  • Führungskräfte schulen: Das Thema „Burnout“ ist leider in vielen Unternehmen ein Tabuthema. Betroffene befürchten verurteilt oder ausgegrenzt zu werden, wenn sie offen über ihr Leid sprechen. Führungskräfte verdrängen Warnsignale ihrer Mitarbeiter oder scheuen sich diese anzusprechen, da sie einfach nicht wissen, wie sie dem Mitarbeiter helfen können. Schulungen zum Thema „Umgang mit erkrankten Mitarbeitern“ oder ähnliches können Führungskräfte dabei unterstützen.

Stressmanagement Training

Borse Training & Coaching aus Wiesbaden hilft Unternehmen dabei, die Resilienz von Mitarbeitern und Führungskräften zu fördern, sodass ein besserer Umgang mit Belastungen und Stress möglich ist, wodurch krankheitsbedingte Fehltage reduziert werden können. Die Mitarbeitermotivation wird gefördert, was wiederum dem Betriebsklima zugute kommt. Im Rahmen des Stressmanagement-Trainings werden gezielte Übungen zu den Schlüsselfaktoren durchgeführt, um die Widerstandskraft und Belastungsfähigkeit zu fördern. Das Training eignet sich für alle, die die alltäglichen Herausforderungen, wie zunehmenden Termindruck, Arbeitsvolumen und Stress, immer mehr als Belastung wahrnehmen.

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