Fracking-Ausrüster und -Zulieferer Trend zu sauberem Fracking eröffnet neuen Markt

Autor / Redakteur: Christa Friedl / Stéphane Itasse

Am Frackingmarkt zählt deutsches Know-how im eigenen Land wenig, im Ausland dagegen viel. Vom Gas-Boom können deutsche Zulieferer und Anlagenbauer profitieren – wenn sie geschickt kooperieren und sich im US-dominierten Geschäft eine lukrative Nische erschließen.

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In den USA sind Verflüssigungsanlagen für Schiefergas schon weit verbreitet, in Europa herrscht noch Skepsis.
In den USA sind Verflüssigungsanlagen für Schiefergas schon weit verbreitet, in Europa herrscht noch Skepsis.
(Bild: Linde)

Erdgas erlebt einen Boom 2.0. Denn Methan lagert nicht nur in konventionellen Vorkommen, sondern auch in großen Mengen in tief liegenden, dichten Tongesteinen oder Kohleflözen. Laut Internationaler Energieagentur belaufen sich die Reserven an unkonventionellem Gas weltweit auf über 240 Bill. m³, das meiste davon in China, den USA, Russland, Argentinien und Mexiko. Deutschland verfügt laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe immerhin über 0,7 bis 2,3 Bill. m³ – genug, um den Erdgasbedarf 10 bis 20 Jahre lang zu decken.

Fracking erschließt unkonventionelle Gaslagerstätten

In unkonventionellen Lagerstätten ist das Methan allerdings fest im Muttergestein gebunden und muss durch Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, herausgepresst werden. Dabei wird die Lagerstätte zunächst durch ein vertikales und mit Zement abgedichtetes Standrohr geöffnet. Danach sprengt ein zweites Rohr im Bohrloch kleine Löcher in Standrohr und Zement.

Ein Bohrfluid aus Wasser, Sand, Hilfsgasen und Zusatzstoffen wird mit mehreren Hundert Bar in die Tiefe gepresst und dringt durch die Löcher ins Gestein. Dabei entsteht ein Netzwerk feiner Risse, die sich ausbreiten und dem Gas millimeterfeine Fließwege zum Bohrloch öffnen. Mit dem Methan strömt ein Teil des Fluids, vermischt mit Lagerstättenwasser, als Backflow wieder nach oben, wird gesammelt und aufbereitet oder entsorgt. Meist kommen beim Fracking Horizontalbohrungen zum Einsatz, um entlang der Bohrstrecke mehrere Fracs hintereinander zu setzen.

Deutsche kommen bei Aggregaten für besondere Fracking-Aufgaben zum Zug

Fracking ist nicht neu. In Deutschland, betont der der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), wird die Technik bereits seit den 1960er-Jahren in konventionellen Lagerstätten angewandt. Neu ist dagegen die Debatte um das Fracking von Schiefergas in großen Tiefen. Auch wenn es laut WEG hierzulande noch nie zur Kontamination von Umwelt oder Trinkwasser gekommen ist, fürchten Umweltschützer und Behörden, dass Bakterizide, Schmierstoffe und Korrosionsschutzmittel bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Grundwasserschichten austreten können.

Fracking boomt seit 2010 vor allem in den USA. „Zwar ist die Bohrtechnik fest in amerikanischer Hand“, sagt Ragnar Strauch von der Fachvereinigung Verfahrenstechnische Maschinen beim VDMA. Aber überall dort, wo es um besondere diffizile, umweltverträgliche oder effiziente Aggregate geht, sieht er Chancen gerade für deutsche Anbieter. Solche Aggregate können Wärmetauscher für ferngesteuerte Bohrer sein, besonders korrosionsfeste Pumpen oder auch Spezialanlagen für die Aufbereitung des Backflows.

Zu den Gewinnern zählt die Linde AG aus Pullach. „Seit 2010 haben wir vom amerikanischen Frackingmarkt Aufträge im Umfang von 1,3 Mrd. Dollar erhalten“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Metz. Linde liefert vorrangig Anlagen zur Gasaufreinigung und Verflüssigung, aber auch Kohlendioxid und Stickstoff. Diese Hilfsgase halten die Fließwege im Gestein offen und mindern den Verbrauch von Bohrfluid bis auf die Hälfte.

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