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Porträt

Urgestein im Kinderzimmer: Der Lego-Baustein wird 60

| Autor/ Redakteur: Fabiane Hörmann / Simone Käfer

Jeder kennt ihn, viele sind schon einmal barfuß auf ihn getreten und für manchen war er der Beginn der Ingenieurlaufbahn: Der Lego-Baustein kann in diesem Jahr auf eine 60-jährige Geschichte zurückblicken.

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Der Lego-Stein wurde bereits zwei Mal zum „Spielzeug des Jahrhunderts“ gewählt. Sein jüngerer Bruder, der Duplo-Stein, hat das noch vor sich.
Der Lego-Stein wurde bereits zwei Mal zum „Spielzeug des Jahrhunderts“ gewählt. Sein jüngerer Bruder, der Duplo-Stein, hat das noch vor sich.
(Bild: © Lego)

Heutzutage sind Lego-Bausteine aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken. Die Produktionsanlagen von Lego haben zusammen einen jährlichen Ausstoß an Bausteinen, der zahlenmäßig mehr als das Fünffache der Weltbevölkerung beträgt.

Der simple Baustein mit seinen Noppen hatte allerdings einen ziemlich wackeligen Start: 1949 modifizierten der Lego-Gründer Ole Kirk Kristiansen und sein Sohn Gotfried die „Automatic Binding Bricks“ des englischen Erfinders Hilary Fisher Page, indem sie die Größe der Bausteine um 0,1 mm änderten und die Kanten abschliffen. Diese selbsteinrastenden Bausteine waren Würfel aus Zelluloseacetat mit vier Noppen in zwei Reihen an der Oberseite, ähnlich den heutigen Bausteinen. Jedoch waren sie innen hohl. Dadurch waren die Bausteinkonstruktionen nicht sonderlich stabil, oft genügte schon ein kleiner Stoß und die Bauwerke stürzten zusammen.

Die erste Spritzgussmaschine Dänemarks

Ein weiteres Problem war der sogenannte „Springeffekt“; man steckte zwei Bausteine zusammen und nach kurzer Zeit sprangen sie wieder auseinander. Es überrascht daher nicht, dass die Verkaufszahlen der Bausteine in dieser Zeit bescheiden ausfielen. Dabei hatte Kristiansen erst drei Jahre zuvor als erster Spielzeughersteller Dänemarks eine Kunststoff-Spritzgießmaschine angeschafft. Die Investition kostete das Unternehmen damals den doppelten Vorjahresgewinn. Für Kristiansen als gelernten Tischlermeister mit einer Holzspielzeug-Produktion eine gewagte Anschaffung.

Aber er und sein Sohn hatten wohl doch den richtigen Riecher: 1958 meldeten sie ihre Weiterentwicklung des selbsteinrastenden Bausteins in Kopenhagen zum Patent an. Den sperrigen Namen waren sie zu dem Zeitpunkt längst losgeworden – die Bausteine waren schon damals unter dem Namen „Lego Mursten“ (dänisch für „Lego-Steine“) bekannt. Auch der Springeffekt und die geringe Stabilität waren durch das selbst entwickelte Röhren-und-Noppen-Stecksystem beseitigt: Die Noppen auf der Oberseite eines Bausteines passen exakt zwischen die runden Hohlkörper und die Seitenwände an der Unterseite eines anderen Bausteins. Durch die enge Toleranzgrenze haften die Röhren und Noppen durch Reibung aneinander; laut Hersteller haben die Formen eine Genauigkeit von 4 µm oder 0,004 mm. Außerdem wurden die Bausteine nun aus hartem, kratz- und beißfestem ABS-Kunststoff gefertigt. Damit begann dann auch der Siegeszug des Lego-Steins. So simpel, wie der einzelne Baustein ist, so umfangreich sind die Möglichkeiten, die man damit hat. Alleine mit sechs achtnoppigen Bausteinen ergeben sich bereits über 915 Mio. mögliche Kombinationen.

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Aus den wenigen Spritzgießmaschinen in der kleinen Fabrik im dänischen Billund ist das Unternehmen natürlich längst herausgewachsen. „Mehr als 90 % der Lego-Produkte werden in den eigenen Lego-Werken in Dänemark, Tschechien, Ungarn und Mexiko hergestellt. Ende 2016 wurde darüber hinaus die erste Produktionsstätte in China eröffnet”, erzählt Kathrin Trowitz, PR-Beauftragte der Lego-DACH-Region. „Zwischen 70 und 80 % aller in Asien verkauften Lego Produkte sollen in Jiaxing, südlich von Shanghai, produziert werden.“

Der technische Fortschritt macht es möglich: Heute dauert der komplette Produktionsprozess inklusive Abkühlzeit etwa 10 s. Das Kunststoffgranulat wird vor dem Einspritzen auf circa 230 bis 310 °C erhitzt und dann mit 2000 bar in die Spritzgussformen gedrückt. Bausteine aus nicht verkauften Packungen können einfach wieder eingeschmolzen und zu neuen Steinen verarbeitet werden.

Nachhaltige Variantenvielfalt

Etwa 1 bis 2 % der Produkte, zum Beispiel Blätter, Büsche und Bäume, werden nicht aus ABS-Kunststoff, sondern aus Polyethylen gefertigt. Ab 2018 werden sie aus nachhaltigem Polyethylen gefertigt, so Lego. Für die Herstellung wird Ethanol verwendet, das aus Zuckerrohr gewonnen wird. Auch die Produktpalette ist gewachsen: Inzwischen gibt es über 3700 verschiedene Bausteinmodelle und statt der anfänglichen 5 kann man aus über 60 Farbtönen wählen. Heute kommen auf jeden Menschen weltweit etwa 80 Lego-Bausteine. An dem Bauprinzip hat sich allerdings nichts verändert. Ein Baustein aus der heutigen Produktionslinie passt auch auf einen Baustein aus den 1960ern.

* Fabiane Hörmann ist freie Mitarbeiterin aus 90451 Nürnberg

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