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Titelthema Instandhaltung

Wartung aus der Ferne

| Autor: Frauke Finus

Damoklesschwert Maschinenausfall: Sprichwörtlich in dieser Situation ist Zeit bares Geld, also ist schnelle Hilfe gefragt. Wenn der Service-Techniker des Herstellers nicht hunderte Kilometer anreisen muss, sondern sich in Echtzeit via Fernwartung auf die Maschine schaltet, bleibt die Ausfallzeit nur kurz. Egal ob vom Hersteller oder von einem externen Dienstleister, mit der richtigen Fernwartungssoftware, die auch den Sicherheitsaspekt berücksichtigt, ist die Fernwartung prädestiniert für das Zeitalter der Industrie 4.0.

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Reinschauen, obwohl man gar nicht vor Ort ist: Dank Fernwartung lassen sich Windkraft-Anlagen vom Schreibtisch aus überwachen und warten.
Reinschauen, obwohl man gar nicht vor Ort ist: Dank Fernwartung lassen sich Windkraft-Anlagen vom Schreibtisch aus überwachen und warten.
( Bild: SKF )

Auf einem Werksgelände in Schleswig-Holstein zischt es einmal laut und schon steht die Maschine still – irgendwas ist kaputt gegangen. Jetzt ist schnelle Hilfe gefragt, denn lange Ausfallzeiten sind wenig attraktiv. Wenn der Hersteller der Anlage zum Beispiel am Bodensee sitzt, ist am gleichen Tag wohl nicht mehr mit Hilfe von einem Service-Techniker zu rechnen. Denn der Techniker des Anlagenherstellers ist dann oft mehrere Tage unterwegs. In der Gewährleistungsphase entsteht dort ein schwer kalkulierbares Risiko für den Hersteller. Der Anlagenbetreiber muss seinerseits einen längeren Anlagenstillstand hinnehmen. Nicht selten hat eine kleine Störung, zum Beispiel ein defekter Initiator, einen beachtlichen Produktionsausfall zur Folge.

Maschinen-Hersteller wählt sich in die Steuerung der Anlage ein

Anders sieht es aus, wenn Anlagenbetreiber und Anlagenhersteller auf Fernwartung zurückgreifen können. Die Fernwartung ist eine Disziplin der Instandhaltung beziehungsweise Instandsetzung. Für die an der Anlage in Schleswig-Holstein nötige Reparatur kann ein räumlich getrennter Zugriff des Herstellers vom Bodensee auf die IT-Systeme in Deutschlands Norden schnell bei der Wiederinbetriebnahme der Anlage helfen. „Bei der klassischen Fernwartung wählt sich der Maschinen-Hersteller im Störungsfall in die Steuerung der Anlage ein und gibt dem Personal vor Ort Hinweise bei der Fehlersuche. In der heutigen Zeit ist dieses Szenario immer noch üblich und wird es auch in Zukunft sein. Doch heute baut man auf Client-Server-Architekturen. Das heißt, Maschinen und Anlagen werden Teil eines Systems, beispielsweise eines Leitstands, in dem alle Informationen der verschiedenen Maschinen zusammenlaufen. Die Vernetzung erfolgt mit Ethernet-Komponenten, wie sie in der Computertechnik und Netzwerktechnik Standard sind“, erklärt Peter Mainka, Geschäftsführer des MaTeHa-Instandhaltungsservice und Servicetechniker für zum Beispiel Andritz Metals als Subunternehmer. Benjamin Hess, Account Manager Beratung und Vertrieb der Intratop UG, einem Fernwartungsdienstleister für virtuelle Maschinen im IT-Bereich, bestätigt: „Fernwartung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Dank wegfallender Anfahrtszeiten und sofortiger Verfügbarkeit 24 Stunden 7 Tage die Woche können Notfalleinsätze und Routineeinsätze kostengünstig und unkompliziert ausgeführt werden. Integriert in ein ordentliches Sicherheitskonzept ist Fernwartung also oft das Mittel erster Wahl.“ Sicherheitsaspekte müssen vor einer Entscheidung für Fernwartungs-Lösungen immer bedacht werden. Neben den rein technischen Parametern sollten auch organisatorische Regelungen überlegt werden. Fernwartung heißt nicht zuletzt, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen Sender und Empfänger bestehen muss. Sinnvoll sind vertragliche Vereinbarungen, die die Fernwartung regeln.

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Ein Fernwartungssystem muss sich ohne großen technischen Aufwand an die vorhandene Hard- und Software anpassen. Die Funktionen der Programmier-Software müssen vollständig erhalten bleiben, und die Diagnose muss bis auf die Ebene einzelner Eingänge der Steuerung möglich sein. Die Fernwartung von Industrieanlagen begann bereits in den 1980er Jahren. In dieser ersten Generation von Fernwartungslösungen wurden die zu wartenden Geräte mit Analog- oder ISDN-Modems ausgestattet, die bei Bedarf angerufen wurden. In Tagen, in denen die ganze Welt via Internet in Echtzeit miteinander verbunden ist, sind Fernwartungslösungen immer einfacher und besser umzusetzen.

Reisekosten sparen, vorausschauend warten und Ausfallzeiten vermeiden

„Die zweite Generation der Fernwartung nutzt ausschließlich verschlüsselte VPN-Verbindungen, entweder über reguläre Internet-Verbindungen oder über speziell zu Wartungszwecken geschaltete, diese dann meist über UMTS oder LTE“, erklärt Dr. Walter Hafner, Geschäftsführer der High Consulting GmbH & Co. KG, einem Hersteller von Fernwartungssoftware. „Anfang der 2010er Jahre entstand mit den VPN-Portalen die dritte Generation der Fernwartungslösungen. Hier gibt es einen zentralen VPN-Server, beim Anlagenhersteller oder in der Cloud, in dem alle Verbindungen von Anlagen terminieren. Leistungsfähigere Lösungen terminieren hier sowohl Anlagen als auch Technikerverbindungen. Auf diesem Server kann dann auch sehr einfach ein Rechtekonzept implementiert werden: Je nach Leistungsfähigkeit der Portallösung ist ein paralleler Zugang beliebig vieler Techniker auf beliebig viele Anlagen möglich.“

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Frauke Finus

Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com