Großteilbearbeitung Großteilebearbeiter und Innovator im XXL-Maßstab

Autor / Redakteur: Victoria Sonnenberg / Mag. Victoria Sonnenberg

Im Berghoff-Werk in Altdorf werden bis zu 25 t schwere Werkstücke aus Stahl und Aluminium bearbeitet. Die XXL-Dimensionen, aber auch das Schweizer Know-how im Werk überzeugten die deutsche Berghoff Gruppe, 2013 die dortige Produktion zu übernehmen.

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Aus 16 t Aluminium entsteht dieses 4,5 t schwere und 4,5 m große Frame, das aus vier Einzelteilen besteht, die in die Schweißvorrichtung eingepasst und zu einem kompletten Stück gefertigt werden.
Aus 16 t Aluminium entsteht dieses 4,5 t schwere und 4,5 m große Frame, das aus vier Einzelteilen besteht, die in die Schweißvorrichtung eingepasst und zu einem kompletten Stück gefertigt werden.
(Bild: Sonnenberg)

Seitdem die letzten Patronenhülsen für die Schweizer Armee vom Laufband rollten, sind nicht nur einige Jahrzehnte vergangen, es hat sich auch ein Wandel im Altdorfer Werk der Ruag Mechanical Engineering vollzogen.

Was heute vom damaligen Rüstungskonzern im Schweizer Kanton Uri übrig ist, ist nicht viel, noch nicht einmal die Firmierung. Heute gehört das Werk zur Berghoff Gruppe, einem Weltmarktführer in der mechanischen Bearbeitung hochkomplexer Werkstücke aus Titan, Wolfram, Aluminium, Stahl und Guss im Bereich High Mix, Low Volume, High Complexity. Was geblieben ist, ist die Produktion spezieller Verbindungselemente, verbaut in der europäischen Trägerrakete Ariane, die vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana startet. Von diesen speziellen Aluminiumringen werden im Jahr für die Ruag Space in Zürich nicht mehr als zehn Stück produziert.

Das Know-how in Altdorf erlaubte dem Werk, neue Pfade zu entdecken

In Anbetracht der heutigen Werksauslastung von 80 % wird klar, dass sich die Ausrichtung des Unternehmens gewandelt und erweitert haben muss. Denn mit dem sinkenden Bedarf der Schweizer Armee begann am Standort Altdorf die Suche nach einem neuen Sinn, neue, zivile Anwendungen mussten her. Die Basis dafür war aufgrund des vorhandenen Know-hows durchaus gegeben und prädestiniert für die Aufgaben, die kommen sollten.

So wagte man in Altdorf erste Gehversuche in der Großteilezerspanung, nachdem die Ruag die Munitionsfertigung nach Thun in den Schweizer Kanton Bern verlegt hatte. Mit dem Zukauf des Spezialisten im Bereich der Großteilebearbeitung Von Roll Betec im Jahr 2001 legte die Ruag ihren Grundstein für die heutige Expertise im Altdorfer Werk in eben diesem Bereich – der Bearbeitung von Großteilen.

Wie der Zufall so spielte, war mit dem Lithografiemaschinenhersteller ASML bereits ein Kunde vorhanden, der den Ausschlag für die heutige Fertigungshalle in Altdorf gab. „Wir stellten uns die Frage: Was machen wir mit diesem Kunden? Fest stand, dass wir investieren mussten. Die Wahl auf den Standort Altdorf war zeitgleich die Geburtsstunde der heutigen Fertigungshalle“, erinnert sich Hansjörg Murer, Geschäftsführer des heute unter dem Namen Berghoff Mechanical Engineering AG firmierenden Produktionsstandortes in Altdorf.

Die Expertise in der Großteilebearbeitung veranlasste Berghoff zum Kauf

2001 wurde das Altdorfer Werk in dieser Form unter Berücksichtigung der Anforderungen von ASML errichtet, in dem auf drei Waldrich-Coburg Multitec sogenannte Frames, Trägerkomponenten für Lithografiemaschinen, hergestellt wurden. Weil das Werk nicht mehr in die Strategie der Ruag und deren primäre Ausrichtung auf Aerospace und Defence passte, versuchte man, Teile zu veräußern. 2012 fand sich Berghoff, ein deutscher Spezialist für die mechanische Bearbeitung, als Käufer, der seit dem 1. April 2013 neuer Eigentümer des Werks in Altdorf ist.

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